Einführung

Die Bienenkiste ist ein wesensgemäßes Konzept, um mit verhältnismäßig geringem Aufwand selbst Bienen halten zu können - aus Freude an der Natur und um für den Eigenbedarf etwas Honig zu ernten.

Kurzvorstellung (1:00 min.)
Kurzvorstellung (1:00 min.) – externes Video (Link öffnet Youtube)

Es eignet sich für Menschen, die gerne selbst Bienen halten möchten - aus Freude an der Natur und um für den Eigenbedarf etwas Honig zu ernten - ohne gleich die gesamte Freizeit dafür einsetzen zu müssen. Da wir nur sehr geringe Eingriffe in das natürliche Leben des Bienenvolkes vornehmen, ist dies eine sehr artgerechte Art der Bienenhaltung.


Imkersterben statt Bienensterben

Wir haben die Bienenkisten 2006 entwickelt und 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt, weil die Zukunft der Honigbiene in Mitteleuropa weniger von einem “Bienensterben” als viel mehr von einem “Imkersterben” bedroht war. Die Honigbiene hat für unsere Kultur- und Landwirtschaft und das gesamte Ökosystem eine zentrale Bedeutung. Die Bienenhaltung ist aber heute in einer großen Krise:

Die europäische Honigbiene kann heute nicht mehr ohne Imker existieren: Es gibt kaum noch natürliche Nistmöglichkeiten und die Bienen können nicht alleine mit den von außen eingeschleppten Parasiten (Varroamilbe) zurecht kommen. Die Bedrohung der Bienengesundheit durch Varroa und Insektizide ist in aller Munde, aber die Bienen verschwinden letztlich deshalb aus der Landschaft, weil es immer weniger Imker gibt!


Die konventionelle Nebenerwerbsimkerei

Der Mangel an Imker-Nachwuchs war insbesondere zur Jahrtausendwende das größere Problem für die Zukunft der europäischen Honigbiene. Die Bienenkisten-Initiative hat in Deutschland einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass heute die Imkerzahlen wieder steigen. Denn eigentlich interessieren sich viele Menschen für die Natur und haben ein ausgeprägtes ökologisches Bewusstsein. Und die ist Biene seit jeher eine ausgesprochene Sympathieträgerin. Deshalb gibt es auch ein großes Interesse daran, selbst Bienen zu halten – aber nicht auf die herkömmliche konventionelle Art der Nebenerwerbsimkerei.

Warum Nebenerwerbsimkerei nicht mehr attraktiv ist

Der traditionelle Imker war Nebenerwerbsimker. Dieses Konzept ist heute aber nicht mehr stimmig: Mehr Honig zu produzieren als man selbst braucht – um ihn dann zu verkaufen – hat früher noch Sinn gemacht, als der Arbeitslohn gering war und die Lebensmittelpreise hoch. Heute ist es aber umgekehrt. Man bekommt guten Honig aus Übersee zu sehr günstigen Preisen. Wenn man nur einen halbwegs angemessenen Stundenlohn ansetzen würde und die gesamten Investitionen mit berücksichtigt, dann ist die Nebenerwerbsimkerei für die meisten Menschen heute keine attraktive Perspektive mehr. Außerdem können viele Menschen heute nicht mehr so viel Zeit und Energie in ein einziges Hobby stecken. Das Leben ist vielschichtiger und komplexer geworden.

In der „Aufrüstungsspirale“

Selbst wenn man Bienen eigentlich nur in ganz kleinem Maßstab halten wollte – aus Freude an der Natur und zur Selbstversorgung mit Honig – kommt man schnell in eine „Aufrüstungsspirale“ und ist mit unzähligen Tätigkeiten befasst: Man muss Rähmchen bauen, braucht Lagerraum für überzählige Magazinzargen und Waben, benötigt eine Honigschleuder, Transportmöglichkeiten, … Für ein bis zwei Bienenvölker erscheint der Aufwand schnell ineffizient, und ehe man sich versieht, hat man zehn Bienenvölker, erntet mehrere hundert Kilo Honig und denkt über einen Verkaufsstand am Wochenmarkt nach…

Bei der traditionellen Art zu imkern geht es um Ertragsmaximierung

Die traditionelle Magazinbetriebsweise (eigentlich alle Mobilbaukonzepte) beruht auf dem Konzept der industriellen Landwirtschaft: standartisierte Ausrüstung, standartisierte Verfahren, möglichst hoher Ertrag.

Bienenhaltung hält man per se für eine sehr natürliche, ökologische Sache. Die konventionelle Art zu imkern ist aber gar nicht so weit entfernt von anderen Arten der Massentierhaltung: Wir geben den Bienen einen künstlichen Lebensraum in Form von vorgeprägten Wachsplatten und Rähmchen vor, wir reißen das Wabenwerk ständig auseinander, bauen es um, unterdrücken den Schwarmtrieb und die Drohnenpopulation, …

Dabei können Bienenvölker ihre Angelegenheiten eigentlich seit Millionen von Jahren vollständig alleine regeln! Abgesehen davon, dass es heute bei uns nur noch wenige natürliche Nistmöglichkeiten gibt – stattdessen aber die Varroamilbe – brauchen die Bienen den Menschen gar nicht. Warum also der ganze Aufwand?

Es müsste doch eigentlich reichen, den Bienen eine Nistmöglichkeit zur Verfügung zu stellen und sie vor dem Varroa-Parasiten zu schützen!?


So einfach wie möglich!

Anforderungen an eine neue Art der Freizeit-Imkerei

Es gibt heute viele Naturliebhaber und Gartenfreunde, die einen eigenen kleinen Garten bestellen oder Kaninchen für die Kinder halten, ohne dass dabei wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle spielen würden. Sie möchten einfach in Kontakt mit der Natur bleiben und wollen ihren Kindern ermöglichen, Natur zu erleben. Es geht dabei um Freizeitgestaltung, um Erholung und eine ganzheitlichere, bewusstere Lebensweise. Vielleicht spielen auch die – in kleinem Umfang für den Eigenbedarf – selbst produzierten „Bio“-Lebensmittel eine Rolle.

Wir glauben, dass es viele Menschen gibt, die gerne 1-2 Bienenvölker halten würden, wenn das nicht mit so viel Aufwand verbunden wäre. Sie wären schon glücklich und zufrieden, wenn dadurch dann auch noch der Eigenbedarf an Honig gedeckt werden könnte.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir folgende Anforderungen definiert:

  • einfache und billige Ausrüstung
  • überschaubarer Arbeitsaufwand
  • wesensgemäß (das bedeutet, den Bienen zu ermöglichen, ihr Leben weitgehend selbst, ihren Veranlagungen entsprechend zu gestalten)
  • Überwinterung auf eigenem Honig (Vermeidung von Zuckerfütterung)

Rückbesinnung auf ein altbewährtes Konzept

Wir haben den traditionellen Krainer (Kärntner) Bauernstock wiederentdeckt. In ihm ist unsere Carnica-Biene ursprünglich gezüchtet worden:

ursprünglicher Krainer Bauernstock
ursprünglicher Krainer Bauernstock
  • Das Flugloch ist vorne an der Stirnseite.
  • Durch eingeklebte Anfangsstreifen wird die Orientierungsrichtung der Waben in Längsrichtung vorgegeben (Kaltbau).
  • Der Kasten wird von unten (!) bearbeitet. Dazu muss der Kasten umgedreht werden, so dass man den Boden abnehmen kann.
  • Die Honigüberschüsse werden von den Bienen fluglochfern (also hinten) abgelagert und werden zur Ernte mit einem Messer ausgeschnitten.
  • Die Waben werden gepresst und nicht geschleudert.

Die Bienenkiste:

ein modifizierter Krainer Bauernstock

Wir haben das Grundkonzept des Bauernstocks beibehalten. Wir haben ihn aber vergrößert und um einen speziellen “Honigraum” erweitert:

Bienenkiste
Bienenkiste
  • Innenmaße der Bienenkiste: 100 cm lang, 45 cm breit, 21 cm hoch (Volumen: ca. 90 Liter)
  • Zum Bearbeiten wird sie über die Stirnseite gekippt. Ein kleiner Dachüberstand schützt das Flugloch. Die Kiste wird von einem Ständer aufrecht gehalten. So ist eine rückenschonende Bearbeitung gewährleistet.
  • Der Honigraum wird mit Mittelwänden bestückt (s.u.).
  • Bei der Ernte lässt sich der Honig mit einer einfachen Vorrichtung einfach abtropfen.

Der entscheidende Kniff: der “Honigraum”

Um mit der Bienenkiste Honig ernten zu können und den Schwarmtrieb der Bienen etwas zu dämpfen, geben wir im hinteren Drittel der Kiste (Honigraum) vorgeprägte Wachsplatten (Mittelwände) hinein. Warum?

Leere Waben in ihrem Stock motivieren die Bienen zum Honigsammeln. Wenn man nun das Wabenwerk über das Maß, das die Bienen von sich aus bauen würden, künstlich vergrößert, sammeln die Bienen mehr Honig als sie selbst brauchen. Und sie kommen nicht so schnell in den Schwarmtrieb, weil sie erst noch die Vorratskammern füllen müssen.

Auf diesem “Trick” basieren letztlich alle modernen Betriebsweisen. Wir haben ein einfaches Verfahren entwickelt, dieses Konzept in die Bienenkiste zu integrieren.

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